Was ist die Sequenz-Methode? Es ist eine Möglichkeit, die Handlung einer fiktiven Geschichte (z.B. Drehbuch oder Roman) zu strukturieren, sodass diese möglichst spannend und effektiv erzählt wird. Sie baut wie so viele andere Plot-Methoden auf der klassischen 3-Akt-Struktur (Anfang, Mitte, Ende – Einführung, Konfrontation, Auflösung) auf, die auf Aristoteles zurückgeht, und stammt ursprünglich aus dem Bereich des Drehbuchschreibens und der frühen Filmgeschichte, als es noch physische Filmrollen gab, die jeweils etwa 10 Minuten lang waren (und danach gewechselt werden mussten).

Die Geschichten wurden also schon damals in mehrere kleine Mini-Stories aufgeteilt, die aufeinander aufbauten und in denen der Protagonist ein bestimmtes Ziel, auf dem Weg zum großen Ziel am Schluss, verfolgte. Jede Sequenz (eine Reihe von zusammenhängenden Szenen) hat ihre eigene 3-Akt-Struktur (mit Einführung, Konflikt und Höhepunkt), genauso wie die komplette Geschichte.

Obwohl mit der Entwicklung der Technologie die Filmrollen verschwanden und es keine tatsächlichen Unterbrechungen bei den Vorführungen mehr gab, wurde die Sequenz-Struktur von vielen Autoren trotzdem beibehalten und perfektioniert. Es führte soweit, dass die Sequenz-Methode z.B. lange Zeit von Frank Daniel an der USC (University of Southern California) unterrichtet und an junge Drehbuchautoren weitergegeben wurde. Bis heute wird die Struktur erfolgreich verwendet. Warum?

Das Grundgerüst ist die 3-Akt-Struktur, die einfach Sinn macht und schon immer funktioniert hat. Weiters bringt es zusätzliche Vorteile, wenn man diese Grundstruktur zusätzlich aufteilt (so wie es z.B. auch bei der 7-Punkte-Struktur gemacht wird). Es ist für den Autor einfacher, vor allem was den großen zweiten Akt betrifft, und auch für den Zuschauer ist es spannender und abwechslungsreicher mit dem beständigen Auf und Ab, das die etwa 12-15 Minuten langen Sequenzen bringen.

Üblicherweise werden die 3 Akte auf 8 Sequenzen aufgeteilt (2 Sequenzen für den ersten und dritten Akt und 4 Sequenzen für den zweiten Akt). Es ist allerdings keine exakte Wissenschaft – je nach Geschichte sind die Sequenzen teilweise etwas kürzer oder länger, oder es gibt mehr als 8 Sequenzen. Das Grundgerüst bleibt aber immer gleich. Wer dem Englischen mächtig ist und mehr über die Sequenz-Methode, speziell in Bezug auf das Drehbuchschreiben, wissen will, dem ist das Sachbuch SCREENWRITING: THE SEQUENCE APPROACH von Paul Gulino zu empfehlen:

Wie schon erwähnt eignet sich die Sequenz-Struktur aber nicht nur für Filme, sondern auch für Romane. Die amerikanische Autorin Alexandra Sokoloff benutzt sie z.B. für das Plotten und Strukturieren ihrer Thriller.

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Der US-amerikanische Autor Brandon Sanderson (Die Sturmlicht-Chroniken) unterrichtet seit geraumer Zeit einmal jährlich eine Klasse der Brigham Young University im kreativen Schreiben, speziell bezogen auf Fantasy & Science Fiction Romane. Für Sanderson setzt sich eine Geschichte aus den drei Elementen Setting, Charaktere und Handlung bzw. Plot zusammen – alle drei werden durch Konflikt verbunden. Ich möchte hier seine Lektionen & Ansichten zu diesen Elementen auf Deutsch zusammenfassen, heute im Bezug auf den Plot und die Struktur einer Geschichte:

PLOT ALS ILLUSION

  • Als Autor hat man Ähnlichkeiten mit einem Bühnenmagier. Man erschafft mit seiner Geschichte eine Illusion, die sich für den Leser jedoch real anführen soll. Die Wendungen & Enthüllungen sollen überraschen, hinterher für den Leser aber auch nachvollziehbar sein
  • Eine Ahnung des Fortschritts: Dies ist auch eine Illusion; Fortschritt in einem Roman ist immer künstlich (man hat die komplette Kontrolle über Zeit bzw. man könnte eine epische Geschichte sowohl in einem Satz als auch mit 1000 Seiten schreiben). Die Aufgabe des Autors ist es diesen Fortschritt so spannend und unterhaltsam wie möglich zu gestalten

VERSPRECHUNGEN

  • Es ist wichtig die richtigen Versprechungen zu Beginn einer Geschichte zu machen und sie dann auf befriedigende Art und Weise zu erfüllen (Eine Romanze sollte nach den ersten Kapiteln nicht komplett plötzlich zum Action-Abenteuer werden)

METHODEN ZUM PLOTTEN

3-Akt-Struktur

  • Akt I:  Die Einführung (Vorstellung der Hauptfigur, des Settings, des Tons und des Konflikts)
  • Akt II: Die Konfrontation (Die Charaktere entwickeln sich; der Konflikt eskaliert)
  • Akt III: Die Auflösung (Charaktere schließen Entwicklung ab; die Konflikte werden aufgelöst)

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Der US-amerikanische Autor Brandon Sanderson (Die Sturmlicht-Chroniken) unterrichtet seit geraumer Zeit einmal jährlich eine Klasse der Brigham Young University im kreativen Schreiben, speziell bezogen auf Fantasy & Science Fiction Romane. Für Sanderson setzt sich eine Geschichte aus den drei Elementen Setting, Charaktere und Handlung bzw. Plot zusammen – alle drei werden durch Konflikt verbunden. Ich möchte hier seine Lektionen & Ansichten zu diesen Elementen auf Deutsch zusammenfassen, heute im Bezug auf den Weltenbau:

SETTING

  • Das Setting ist ein wichtiger Faktor (vor allem in Fantasy & Sci-Fi), trotzdem sollten die Charaktere & der Plot höhere Priorität haben
  • Das Setting ist der Bereich, bei dem man am einfachsten originell sein und sich von der Masse abheben kann
  • Man kann sich den Weltenbau als Eisberg vorstellen; die Spitze wird den Lesern im Buch gezeigt, der Rest wird nur angedeutet
  • Unterscheidung zwischen physischem Setting (Flora, Fauna, Geographie etc. – alles was auch ohne Menschen existieren würde) und kulturellem Setting (Regierung, Religion, Technologie etc. – alles was von Menschen erschaffen wurde)
  • Man muss nicht jedes Detail der Welt ausarbeiten; man sollte sich auf wenige bestimmte Bereiche konzentrieren, die für die Story & die Figuren wichtig sind. Ansonsten läuft man auch Gefahr sich ewig im Weltenbau und der Recherche zu verlieren und nicht zum eigentlichen Schreiben zu kommen („Worldbuilder’s Disease“)
  • Eine gute Möglichkeit ist im Vorfeld während der Planungsphase das Nötigste zu recherchieren und den Rest bei Bedarf nach dem Schreiben der ersten Fassung während der Überarbeitung (für gewöhnlich kommt man mit Online-Artikeln und Sachbüchern leicht auf ca. 75% – für den Rest kann man wenn nötig noch einen Experten um Rat fragen)
  • Lernkurve: Man sollte sich gut überlegen wie steil man die Kurve anlegt bzw. wie schnell und wie viel Informationen über die Welt man dem Leser gibt (Achtung vor Infodumps)
  • „Dienstmädchen und Butler“-Dialoge: Achtung vor Figuren bzw. Dialogen, die nur dazu dienen dem Leser Infos zu geben, wobei sich Figuren über die Dinge unterhalten, die sie sowieso schon wissen
  • Der „Watson-Charakter“: Es kann hilfreich sein, wenn die oder eine der Hauptfiguren mit der jeweiligen Umgebung nicht vertraut ist und der Leser diese gemeinsam mit der Figur kennenlernt

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Der US-amerikanische Autor Brandon Sanderson (Die Sturmlicht-Chroniken) unterrichtet seit geraumer Zeit einmal jährlich eine Klasse der Brigham Young University im kreativen Schreiben, speziell bezogen auf Fantasy & Science Fiction Romane. Für Sanderson setzt sich eine Geschichte aus den drei Elementen Setting, Charaktere und Handlung bzw. Plot zusammen – alle drei werden durch Konflikt verbunden. Ich möchte hier seine Lektionen zu diesen Elementen auf Deutsch zusammenfassen, beginnend mit der Charakterentwicklung. Sanderson zeigt Möglichkeiten auf wie man Figuren entwerfen und sie interessant machen kann:

Jedermann vs. Superman Schieber

  • Der Durchschnittstyp erinnert uns an uns selbst (schafft Sympathie)
  • Der Superman (sehr kompetent) ist der, der wir vielleicht gerne sein würden
  • In vielen Geschichten verläuft die Entwicklung der Hauptfigur vom Jedermann zum Superman
  • (Meine Beispiele: Bruce Wayne in BATMAN BEGINS oder Luke Skywalker in STAR WARS)

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Für alle, die sich für Heroische Fantasy (auch bekannt als Low Fantasy oder Sword & Sorcery) interessieren und sich fragen wie dieses Subgenre begonnen hat, welche Klassiker und welche moderne Geschichten es in dieser Richtung gibt. Die Definition des Genres per Wikipedia:

Abenteuer- und Pulp-Literatur, die in einer fiktiven Fantasiewelt angesiedelt ist. Im Zentrum der Handlung steht zumeist ein einsamer, unerschrockener Held, der sich natürlichen und übernatürlichen Problemen stellt.

Der Weltenbau bekommt in der Regel weniger Aufmerksamkeit als in der Epischen Fantasy, auch gibt es weniger Hauptfiguren und Handlungsstränge und meist sind es mehr persönliche Belange, die auf dem Spiel stehen, und weniger das Schicksal der Welt.

Als „Großvater“ des Genres gilt der US-Amerikaner Robert E. Howard. Er schrieb in den 30er Jahren etliche Kurzgeschichten und auch ein paar Romane mit unterschiedlichen Helden. Der Bekannteste von ihnen ist wohl Conan der Barbar:

 

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Der US-amerikanische Autor Brandon Sanderson (Die Sturmlicht-Chroniken) unterrichtet seit geraumer Zeit einmal jährlich eine Klasse der Brigham Young University im kreativen Schreiben, speziell bezogen auf Fantasy & Science Fiction Romane. Der letztjährige Kurs wurde gefilmt und steht auf YouTube kostenlos zur Verfügung. Wärmste Empfehlung für alle, die vor allem Fantasy schreiben möchten und dem Englischen mächtig sind.

Aaron Sorkin über das Schreiben

Veröffentlicht: September 3, 2017 in Filme, Schreiben
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Der US-amerikanische Schriftsteller & Drehbuchautor Aaron Sorkin (Eine Frage der Ehre, The Social Network) gab vor gut zwei Jahren ein ausführliches Interview über das Schreiben und die Charakterentwicklung. Er erwähnte, dass er sich immer darauf konzentriert, dem Publikum nicht zu erzählen wer eine Figur ist, sondern zu zeigen was eine Figur möchte.

Ich fokussiere mich auf die Intention und das Hindernis. Die Figur will etwas, etwas oder jemand steht im Weg. Die Figur will das Geld, das Mädchen, oder einfach nur nach Philadelphia gelangen. Was es auch immer ist, sie müssen es wirklich wollen oder brauchen und es gibt ein großes Hindernis. Die Figur wird dadurch definiert was sie will und was sie tut, um es zu bekommen.

MARCUS JOHANUS

wie-man-eine-verdammt-gut-kurzgeschichte-schreibt

Kerstin Brömer hat in ihrem hervorragenden Gastartikel Die Kurzgeschichte, kleine Schwester des Romans ein paar theoretische Grundlagen für die Kurzgeschichte auf den Punkt gebracht. Richard Norden hat in seinem Gastartikel Buchmarketing für Romanautoren dargestellt, dass Kurzgeschichten ein gutes Marketinktool für Autoren sind, um auch auf Romane aufmerksam zu machen.

Bleibt also noch die Frage, wie man denn nun genau Kurzgeschichten schreibt. In Anlehnung an James N. Freys Schreibschule habe ich deswegen hier einen möglichen Weg aufgezeigt, wie du Kurzgeschichten planen und schreiben kannst:

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